Gewalt gegen Frauen ist ein Straftatbestand. (Foto: Isabella Quintana/Pixabay)

Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen umfasst Straftaten, von denen Frauen überproportional häufig betroffen sind, wie sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und häusliche Gewalt

Dadurch werden die Grundrechte von Frauen hinsichtlich ihrer Würde und Gleichheit verletzt. Gewalt hat nicht nur Auswirkung auf die Opfer selbst, sondern auch auf deren Familien, den Freundeskreis und auf die gesamte Gesellschaft (European Union Agency for Fundamental Rights – FRA, 2014).

Jede dritte Frau in Europa – Deutschland über dem Durchschnitt

Die Studie der FRA von 2014 mit dem Titel „Gewalt gegen Frauen“ legte offen, dass

  • jede dritte befragte Frau in Europa seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren hat,
  • 5 Prozent der Frauen sind seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden,
  • 18 Prozent der befragten Frauen waren schon einmal Opfer von Stalking

Was die Erfahrung der Frauen mit sexueller und / oder physischer Gewalt angeht, liegt Deutschland laut der Studie leicht über dem EU-Durchschnitt (35 Prozent versus 33 Prozent EU-weit).

Die Europaratskonvention zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt („Istanbul-Konvention“) trat am 01.02.2018 in Kraft.

Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, gegen psychische, sexuelle und körperliche Gewalt vorzugehen sowie die Gleichstellung der Geschlechter in die Verfassungen und Rechtssysteme zu übernehmen.

„Zur vollständigen Umsetzung fehlt jedoch noch ein Gesamtkonzept mit Koordinierungsstellen auf Länderebene, dessen Umsetzung von einer unabhängigen Monitoring-Stelle auf Bundesebene überprüft wird. Dazu gehört die Finanzierung einer ausreichenden Zahl von Plätzen in barrierefreien und bedarfsgerechten Frauenhäusern oder auch verpflichtende Schulungen für Richter*innen.“ (Zitat UN-Women vom 01.02.2018)

Mit der Argumentation, die Konvention schade u.a. der Einheit der Familie und fördere Scheidungen, trat die Türkei am 19.03.2021 aus der Istanbul-Konvention aus. Knapp neun Jahre nach der Ratifizierung sieht die Lage der Frauenrechte dort weiterhin sehr düster aus. Der Europarat rügte 2018 die Türkei wegen des Umgangs mit Gewalt- und Vergewaltigungsopfern und die Anzahl der Femizide ist immer noch erschreckend hoch.

Auch andere Staaten wie Polen oder Ungarn zweifeln das Völkerrechtsabkommen an und Deutschland setzt es nur schleppend um. Der Deutsche Frauenring e.V. fordert spürbare Maßnahmen und die Verteidigung der Istanbul-Konvention!

Lesen Sie hier unsere Stellungnahme zum Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention.

Alternativbericht der CEDAW-Allianz zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland

Der aktuelle Alternativbericht der CEDAW-Allianz greift unter dem Kapitel 5: Gewalt gegen Frauen diese Themen auf:

  • häusliche Gewalt,
  • Tötungsdelikte in sozialen Nahbeziehungen,
  • sexualisierte Gewalt,
  • Zwangsverheiratung,
  • Gewalt im Bereich sexueller und reproduktiver Rechte (FGM und Sterilisation),
  • homo- und transphobe Gewalt,
  • Gewalt gegen die besonderes verletzlichen Gruppen von
    • Migrantinnen,
    • geflüchteten Frauen,
    • Frauen mit Behinderung und
    • ökonomisch und sozial benachteiligten Frauen.

Die Empfehlungen der CEDAW-Allianz sind im Bericht, an dem der DFR mitgewirkt hat, ab Seite 19 nachzulesen.

Der Deutsche Frauenring engagiert sich für

  • die Sicherung der Finanzierung von Frauenhäusern
  • die Entwicklung eines umfassenden staatlichen Handlungskonzeptes zum Schutz der von Gewalt betroffenen Mädchen und Frauen
  • die Entwicklung koordinierter und qualitativ auf einander abgestimmter Verbesserungen des bestehenden Opferschutzes
  • Maßnahmen zur Unterbindung von Frauenhandel und Zwangsprostitution

Am 28.05.2020 veröffentlichten Frauenorganisationen in ganz Deutschland, darunter der Deutsche Frauenring e.V., einen gemeinsamen offenen Brief Ein Frauenmord ist kein Einzelfall und kein Versehen!

Sie finden den offenen Brief hier.